Nichts ganzes, nicht mal was halbes

Ich gehe zur Arbeit. Wobei, ich “gehe ja nicht zur Arbeit”, ich gehe an meinen Schreibtisch, eine Minute bevor das erste Meeting startet. Okay, vielleicht auch fünf Minuten danach. Ich bin trotzdem der Erste.

Video lasse ich aus. Handy in der Hand, ich schaue, wer mir über Nacht geschrieben hat und was auf Instagram gepostet wurde.

Ich höre meinen Namen. Brauche ein paar Sekunden, um mich zu entmuten, und habe keine Ahnung, was gefragt wurde. Ich schildere Internetprobleme. Ob man die Frage vielleicht nochmal wiederholen könnte.

Meeting vorbei. Endlich. Hab ich was mitgenommen? Hm. Naja. Meine Freundin hatte mir was Wichtiges auf WhatsApp geschrieben.

Löffel auf das Touchpad. Mega Lifehack, hat mir ein Kollege in der letzten Teamsitzung gezeigt, so geht der Laptop nicht in den Ruhezustand und ich stehe auf online.

Kaffee. Ausführliches Frühstück.

Es ist elf. Auf dem Laptop eine Nachricht, ob ich mir kurz was anschauen kann. Klar. Ich kopiere das Dokument ungeöffnet in eine KI meiner Wahl, zusammen mit der Nachricht des Kollegen, und poste den Output ungelesen in den Teams-Chat.

Effizient.

Neben dem Schreibtisch hat sich Wäsche angesammelt. Komm, kann ich ja noch schnell anmachen.

Mittag.

Okay, jetzt habe ich wirklich was zu tun. Ich setze mich an den Laptop, öffne Mails und Todo-App, organisiere erstmal und fange dann mit der obersten Sache an. Eine Präsentation über den aktuellen Projektstand.

Hm. Keine Ahnung. Was sagt der Chat?

Klingt plausibel. “Mach mir daraus eine Präsentation.” Guter Output.

Es klingelt. Paket. Und was ein Zufall, meine Freundin kommt auch gerade vorbei. Setzt sich auf die Couch und zeigt mir LinkedIn-Kommentare, die ihr nicht gefallen. Wir reden. Das geht ja wirklich gar nicht, was der CEO meines Unternehmens da gepostet hat.

Kurz vor Feierabend nehme ich den Löffel vom Trackpad. Das Fenster mit der Präsentation ist noch offen. Ich scrolle einmal durch. Sechzehn Folien, über ein Projekt, oder mein. Sieht gut aus, Coporate Branding wurde eingehalten. Passt schon.

Mail geht raus.

Reicht jetzt auch.

Abends noch in den Biergarten. Einer erzählt, dass er inzwischen richtig im Marihuana-Game ist, und rollt einen. Warum nicht. Wir sitzen, wir trinken, es wird dunkel.

Guter Dienstag.

Donnerstag ist Office-Tag. Ich mag das Office. Kostenloser Kaffee, kostenlose Snacks, günstiges Mittagessen, und manchmal liegen noch Goodies vom letzten Event rum.

7:30 da. Kaffee, Flasche Wasser. Johnny.

Johnny erzählt von seinem Camper. Er baut ihn gerade aus, der steht unten in der Werkstatt, ob ich ihn mir mal anschauen will. Johnny arbeitet in der R&D. Ich frage mich, woran eigentlich. Wir machen aus, dass ich nach dem Mittagessen auf einen Kaffee vorbeikomme.

Schreibtisch. Heute die monatliche CEO-Präsentation, wo wir stehen.

Ich öffne YouTube. Naja. Dann Shorts. Ein richtiges Video kann man irgendwie nicht schauen, wenn da die ganze Zeit jemand im Hintergrund labert.

Vorbei.

Mittag, extra kürzer, um nachher früher gehen zu können.

Kaffee mit Johnny. Der Camper wird gut.

Teamsitzung am Nachmittag. 13 Personen, ich kenne die Hälfte nicht. Ich präsentiere mein Projekt. Also den Stand. Das, was. Alle am Handy.

Auf dem Weg raus nehme ich noch eine Powerbank vom Goodie-Tisch mit. Passt zu den anderen.

Ich gehe früh.

Produktiver Tag. Ich mag das Office.